Schwerstbehinderte Kinder unter Raketenbeschuss im Süden Israels

Schwerstbehinderte Kinder unter Raketenbeschuss im Süden Israels

Montag, November 19th, 2018


Wir möchten all unseren Freunden aus der ganzen Welt danken, die sich um uns sorgen und uns in den vergangenen Tagen unterstützt haben, in denen wir dem Raketenhagel aus Gaza ausgesetzt waren.

Der folgende Bericht ist eine Momentaufnahme des Lebens im ALEH Negev Dorf währen der 48 Stunden vor dem Waffenstillstand:

Militärangaben zufolge wurden am Montag und Dienstag über 460 Raketen und Mörsergranaten auf den Süden Israel abgeschossen. Jedes Mal, wenn die Sirene des Katastrophenalarms (Code Red) heulte, hatte das Personal, die Bewohner des Dorfes, die Besucher und die Freiwilligen etwa 30-40 Sekunden Zeit, sich vor einem Raketeneinschlag in den Sicherheitsräumen in Sicherheit zu bringen.

Der Ton dieser Sirene allein kann auf Dauer solche Stresssymptome wie Magengeschwüre, Nervenzusammenbrüche und posttraumatisches Stresssyndrom auslösen.

Die mehr als 240 ALEH Negev Bewohner – alle mit geistigen und körperlichen Behinderungen – wurden für 2 Tage und Nächte in die Sicherheitsräume gebracht, wo sie mit den Pflegern und Freiwilligen bleiben mussten. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um schön eingerichtete Bunker. Zusätzliche Betten und Matratzen wurden in die Sicherheitsräume gebracht, während die Mädchen vom Zivildienst kreative Lösungen fanden, um das Schlafen in diesen Räumen mehr als ein freudiges Ereignis zu inszenieren – wie zum Beispiel eine Pyjama-Party – um den behinderten Menschen die Angst zu nehmen.

Die bedürftigsten Bewohner, die rund-um-die-Uhr medizinische Betreuung brauchen, wurden mit samt der medizinischen und der paramedizinischen Ausrüstung in Sicherheitsräume verlegt. All dies war nötig, da die schweren Behinderungen der Kinder eine rasche Evakuierung bei einem palästinensischen Raketenangriff in die Sicherheitszonen nicht möglich machen.

Die Anzahl des Personals wurde erhöht und durch zusätzliche Freiwillige ergänzt. Viele dieser Freiwilligen kommen aus dem Ausland – meist evangelische Christen – die kein Hebräisch sprechen oder verstehen. Doch waren auch sie bereit, Tag und Nacht für die Bewohner zu sorgen, damit ein Verhältnis von 1:1 von Personal zu Betreuenden geboten war. Für die meisten Freiwilligen war dies das erste Mal in ihrem Leben, bei dem sie unter Raketenbeschuss standen – leider etwas, das den Einwohnern Israels und den Bewohnern des Dorfes in ALEH Negev sehr bekannt ist; obwohl man sich nie an so etwas gewöhnt. Eine Freiwillige sagte: «Obwohl es immer heisst, dass der Iron Dome Raketen abfangen kann, kann man die Angst nicht beschreiben, die in einem aufkommt, wenn diese Sirene heult». «Ein anderer Freiwilliger berichtet: «Es hat uns alle nähergebracht. So wird einem bewusst, was das eigentlich bedeutet, unter Beschuss zu stehen. Und hier trifft es die Schwächsten der Gesellschaft.»

Das Personal bekam Anweisungen des Departements der Staatssicherheit, sowie eine rundum psychische Betreuung von ALEHs Sozialarbeitern und Psychologen. Auf ihren Schultern lag eine schwere Last: nebst der riesigen Herausforderung, die medizinische Betreuung aufrecht zu erhalten, waren sie auch dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass unter den zu Betreuenden keine Panik ausbrach und die Folgen des Stresses gelindert wurden.

Wir danken unserem Personal und allen Freiwilligen von ganzem Herzen für ihren mutigen, unermüdlichen Einsatz, um das Alltagsleben unserer Bewohner so normal wie möglich zu gestalten, während auch sie dem permanenten Stress und der Angst eines Raketeneinschlags der Hamas ausgesetzt waren.

Die gesamte ALEH Familie dankt auch all unseren Freunden für ihre Fürsorge und Unterstützung. Wir alle hoffen auf eine Zukunft in Frieden und Sicherheit.