Wie eine kleine Prinzessin

Wie eine kleine Prinzessin

Sonntag, Februar 4th, 2018


Seit 4 Monaten bin ich jetzt in Aleh Negev als Freiwillige und ich kann jetzt schon sagen, dass die Zeit hier mein Leben verändert und unendlich bereichert hat.

Ohne jeglichen Erfahrungen oder Vorkenntnisse über die Arbeit mit Menschen mit Behinderung kam ich hier her und war am Anfang schon sehr skeptisch, ob ich das überhaupt kann. Wie sollte ich denn diese Menschen verstehen, die so komplett anders als ich ticken? Doch schon nach den ersten Wochen hier habe ich gemerkt, dass nicht sie mich verstehen sollen, sondern ich lernen muss, sie und ihre Art des Lebens zu verstehen und darauf einzugehen. Und seit diesem Moment habe ich mich immer mehr in die einzelnen Bewohner verliebt und habe jeden Tag aufs Neue Spaß mit ihnen. Aleh Negev ist ein Ort voller Liebe und für viele ein Zuhause, und mit meiner Arbeit hier kann ich dazu beitragen, damit sie sich in ihrem Zuhause noch wohler fühlen. Durch das tägliche Füttern, Spielen, Ausflüge machen oder ähnliches konnte ich das Vertrauen der Bewohner gewinnen und habe sie in mein Herz geschlossen. Ich erlebe hier so viele schöne Momente, egal ob es ein kleines Lächeln ist, sobald ich den Raum betrete, oder ich beobachten kann, wie ein Bewohner lernt, alleine zu essen.

Vor ein paar Wochen durfte ich an einem ganz besonderem Ereignis von einem Mädchen aus meinem Haus teilhaben: Ihr 12. Geburtstag und somit ihre Bat Mizwa. Wie viele Kinder in Aleh Negev lebt sie schon einige Jahre dort und hat zwar eine Familie, aber der Rückhalt durch diese ist nur sehr gering. Daher wurden schon Monate zuvor Spendengelder gesammelt, um ihr den schönsten Tag in ihrem Leben zu machen und damit auch sie ihre Bat Mizwa wie jedes andere jüdische Mädchen feiern kann. Was mich am meisten bewegt hat ist, dass so viel Mühe und Liebe in die Feier gesteckt wurde. Vom Essen über die Dekoration bis hin zu ihrem Outfit, welches sie wie eine kleine Prinzessin aussehen ließ. Doch noch viel schöner war es mit zu beobachten, wie ihre Familie, die sie ja nicht jeden Tag um sich hat und ihre „Aleh Familie“ zusammen feierten und sowohl unsere „Hausmama“, als auch ihre leibliche Mama vor Stolz den Tränen nahe waren, als sie den Raum betrat.

Ich könnte noch von vielen solchen Erlebnissen berichten, sie zeigen mir wie wichtig die Arbeit hier ist und wie kostbar diese Menschen sind!

Leonie